Freiarbeit Physik

Freiarbeit Physik Jeetzeschule Salzwedel Bausteine im Regal

An der Schule (Jeetzeschule in Salzwedel), an der ich arbeite, habe ich mit meinem Kollegen zusammen den Freiarbeitsbereich Physik aufgebaut. An vielen Schulen scheint das Thema Nawi und Physik eine große Baustelle zu sein und viele Gäste unserer Schule sind sehr interessiert an unserem Projekt. Deswegen dachte ich es macht Sinn, das Ganze hier mal zu dokumentieren. An unserer Schule gibt es außerdem im Nawi-Bereich die Freiarbeit Chemie, die meine Kolleginnen aufgebaut haben.

Die Freiarbeit in unserer Schule

Ich beschreibe vielleicht erstmal den Rahmen, in dem unsere Freiarbeit stattfindet. Unser Unterricht setzt sich in der Mittelstufe aus den Komponenten Fachunterricht, Freiarbeit und Projektunterricht zusammen. Dazu kommt noch eine Mischung aus Praktika, ausserschulischen Projekten, Herausforderungen und unserem Entschulungsprojekt, der Jeetzefarm. Eine Arbeitszeit (80min) am Tag ist im Normalfall der Freiarbeit vorbehalten, und die Schülerinnen und Schüler können sich entscheiden, ob sie z.B. zu Deutsch, Mathematik, Geo, Geschichte oder Chemie gehen. Die Freiarbeit ist Jahrgangsübergreifend für Klasse 7-10 und befindet sich fächerweise in Räumen, die im Normalfall durch einen entsprechenden Fachlehrer besetzt sind. Es ist je nach Fach unterschiedlich, ob das Fach nur aus Freiarbeit „besteht“, oder wie z.B. in Mathematik Fachunterricht und zusätzlicher Freiarbeit.

Physik findet bei uns in Klasse 7-9 nur in der Freiarbeit statt, was Vor- und Nachteile mit sich bringt. In Klasse 10 haben wir uns für Fachunterricht entschieden, um in Hinsicht auf die 10.Klasse-Prüfungen gut vorbereiten zu können.

Der Aufbau der Physik Freiarbeit

In unserem Schul-Freiarbeitssystem werden die einzelnen Themenbereiche „Bausteine“ genannt. Es gibt also in Physik Bausteine, die z.B. „Elektrik 1“, „Elektrik 2“, „Mechanik 1“ oder „Wärmelehre 1“ heißen. Die Bausteine haben einen überschaubaren Umfang (etwa 5-6 Arbeitszeiten) und orientieren sich an dem Lehrplan für das jeweilige Thema. Wir versuchen, am Anfang und in der Mitte des Jahres Einführungen in den jeweiligen Jahrgängen zu geben, damit die Schüler gut orientiert sind und um wesentliche Konzepte der Physik zu vermitteln.

Normalerweise kommen die Schüler zu zweit zur Freiarbeit, sie können aber auch alleine arbeiten. Die Schülerinnen und Schüler sollten im Jahr etwa drei Bausteine absolvieren, um dem Lehrplan zu folgen. Da aber Physik für die wenigsten prüfungsrelevant ist und wir natürlich die Möglichkeiten nutzen wollen, den Stoff zu differenzieren, ist es sehr unterschiedlich, wie viele Bausteine Schülerinnen und Schüler schaffen. Einige Schüler, die sich sehr für Physik interessieren, brauchen natürlich zusätzliches Futter, und so haben wir Zusatzbausteine erstellt, wie z.B. Elektrotechnik, Elektronik mit dem Arduino oder Legoroboter. Da arbeiten wir auch weiter dran… wir haben noch viele Ideen, z.B. große zusammenhängende Themen wie z.B. „Klimawandel“ oder „Wasser“ physikalisch oder auch interdiziplinär zu behandeln.

Wie ist ein Baustein aufgebaut?

Baustein Elektrik 1 Freiarbeit Physik

Jeder Baustein besteht aus mehreren Arbeitsaufträgen, die jeweils in einer Kiste sind. Alle Kisten zu einem Baustein befinden sich in einem Regalfach. Im Bild oben sieht man das Fach zu „Elektrik 1“ . In jeder Kiste befindet sich der Arbeitsauftrag (ein laminiertes A4-Blatt) und die dazugehörigen Materialien. In diesem Fall auch noch ein Infotext zum Thema Schaltkreise zeichnen. Mit den Kisten haben wir auch gute Erfahrungen gemacht, die sind von einem freundlichen schwedischen Möbelhaus und haben ein praktisches Format von 28cmx39cmx14cm, das passt für die meisten Materialien.

Unser Fokus ist es, die Schülerinnen und Schüler möglichst viel experimentieren zu lassen. Häufig sind im Arbeitsauftrag Filme oder kleine Applets integriert, um Input zu geben. Wir experimentieren auch damit, selbst Videos aufzunehmen. Dazu hat mein Kollege eine Oberfläche programmiert, wo die Schülerinnen und Schüler die Medien des jeweiligen Baisteins gut im Überblick haben.

Die Schülerinnen und Schüler bekommen zum Baustein einen Arbeitsplan, um den Überblick zu behalten und um sich erledigte Arbeitsaufträge abzeichnen zu lassen.

Arbeitsplan Elektrik 1- Freiarbeit Physik
Arbeitsplan Elektrik 1

Pro Baustein lassen wir auch etwa 2 Protokolle erstellen, die dann abgegeben und von uns korrigiert werden, und am Ende des Bausteins wird bei einem Multiple-Choice-Test am Computer das Wissen überprüft, das Programm hat mein Kollege Holger programmiert 🙂 und ihr findet Informationen dazu hier auf seiner Website.

Testprogramm Physik Freiarbeit
Testprogramm

Erfahrungen in den letzten Jahren

Insgesamt sind die Erfahrungen mit dem System sehr positiv. Die Schülerinnen und Schüler arbeiten sehr selbstständig, sind gut orientiert und können in ihrem Tempo arbeiten. Wir haben tatsächlich so gut wie gar keine Probleme (über den normalen Verschleiß hinaus) mit Schäden am Material, was aber wahrscheinlich auch an unserer sehr freundlichen Schülerschaft liegt. Die Motivation sich mit Physik zu beschäftigen ist im Schnitt deutlich höher als im Fachunterricht. Und wir haben wenig Probleme, sehr lernschwache oder lernstarke Schülerinnen und Schüler einzubeziehen und sind sehr flexibel in unserem System. Wünschenswert wären aber noch bessere Einführungen zu den Bausteinen, das fällt uns irgendwie in unserem Gesamtsystem organisatorisch schwer und wird von den Schülern gewünscht.

Durch das jahrgangsübergreifende Freiarbeitskonzept profitieren die Schüler häufig von den Erfahrungen der älteren Schüler und die Freiarbeit ist insgesamt ruhiger, als wenn man z.B. nur Achtklässler in einem Raum hätte. Wir empfehlen das Konzept auf jeden Fall weiter!

Für weitere Fragen könnt Ihr mich oder die Schule gerne kontaktieren: luise@mathematte.de